Lexikon
Wärmepumpe im Altbau
Ob eine Wärmepumpe im Altbau effizient arbeitet, hängt vor allem von der nötigen Vorlauftemperatur ab. Das Fraunhofer ISE hat 2025 in 77 Bestandsgebäuden der Baujahre 1826 bis 2001 Jahresarbeitszahlen von 2,6 bis 5,4 gemessen. Luft-Wasser-Wärmepumpen kamen im Mittel auf 3,4, Erdreich-Wärmepumpen auf 4,3. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fand die Messung nicht.
Was der Feldtest zeigt
Im Projekt „WP-QS im Bestand“ hat das Fraunhofer ISE 61 Luft-Wasser- und 16 Sole-Wasser-Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern über vier Jahre gemessen. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forschenden nicht. Bei den vor 1977 gebauten Häusern war rund die Hälfte der Fassaden nachträglich gedämmt. Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Anlagen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf große Mehrfamilienhäuser oder Nichtwohngebäude übertragen.
Die Messungen zeigten auch Optimierungsbedarf. Viele Wärmepumpen waren überdimensioniert und schalteten häufig. Das Fraunhofer ISE sieht darin Optimierungspotenzial.
Worauf es ankommt
Die wichtigste Größe ist die Vorlauftemperatur, die gebraucht wird, wenn am meisten geheizt wird, laut Fraunhofer ISE bei Außentemperaturen knapp über 0 °C. Je niedriger sie liegt, desto besser die Jahresarbeitszahl. Als Faustregel gilt ein Gebäude als geeignet, wenn es möglichst ganzjährig mit weniger als 55 °C auskommt. Wie hoch die Temperatur tatsächlich sein muss, zeigt eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1. Danach werden die Heizflächen geprüft und, wo nötig, einzelne zu kleine Heizkörper getauscht.
Flächensysteme wie die Deckenheizung kommen mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus und lassen sich im Sommer zum Kühlen nutzen. Das Fraunhofer ISE hat aber auch gezeigt, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper ähnlich niedrige Temperaturen erreichen. Die Flächenheizung ist also ein Weg unter mehreren.
Pflichten nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz
Die elektrische Wärmepumpe ist eine der Optionen, die § 42 des Gebäudemodernisierungsgesetzes beim Heizungstausch nennt. In Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen Nutzungseinheiten ist das Heizungssystem nach § 60c hydraulisch abzugleichen, mit raumweiser Heizlastberechnung, Prüfung der Heizflächen und Anpassung der Vorlauftemperaturregelung. Dort müssen Wärmepumpen, die nach dem 31.12.2023 eingebaut wurden, nach § 60a nach einer vollständigen Heizperiode, spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme, einer Betriebsprüfung unterzogen werden. Warmwasser- und Luft-Luft-Wärmepumpen sind ausgenommen. Ohne Fernkontrolle wiederholt sich die Prüfung spätestens alle fünf Jahre.
Quellen: Fraunhofer ISE, Projekt WP-QS im Bestand, Presseinformation 03.11.2025; Fraunhofer ISE, Projekt WPsmart im Bestand, Presseinformation 27.07.2020; Verbraucherzentrale, Wärmepumpe im Eigenheim (Stand 25.03.2026); Gebäudemodernisierungsgesetz §§ 42, 60a, 60c
FAQ
Häufige Fragen zu Wärmepumpe im Altbau
Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?
Oft ja. Das Fraunhofer ISE hat in einem Feldtest 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001 vier Jahre lang gemessen und fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz. Entscheidend sind die nötige Vorlauftemperatur, die Heizflächen und eine saubere Einstellung.
Welche Vorlauftemperatur braucht ein Altbau für die Wärmepumpe?
Als Faustregel gilt ein Gebäude als geeignet, wenn die Heizung möglichst das ganze Jahr mit weniger als 55 °C Vorlauf auskommt (Verbraucherzentrale). Im Projekt WPsmart des Fraunhofer ISE (2020) lag die maximal erforderliche Vorlauftemperatur im Mittel bei knapp 44 °C (Luft-Wärmepumpen) bis etwas über 45 °C (Erdreich).
Muss ich auf Fußboden- oder Deckenheizung umrüsten?
Nicht zwingend. Laut Fraunhofer ISE lassen sich ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Flächenheizungen. Eine Flächenheizung ist ein guter Weg zu niedrigen Vorlauftemperaturen, aber nicht der einzige.
Systemunterlagen anfordern.
interpanel stellt Datenblätter, Planungsunterlagen und projektspezifische Wirtschaftlichkeitsberechnungen zur Verfügung.