Bei der Raumluft denken die meisten zuerst an die Temperatur. Dabei entscheidet auch die Luftfeuchtigkeit mit darüber, ob ein Raum gesund und angenehm ist. Ist die Luft zu trocken, reizt sie Schleimhäute und Augen. Ist sie zu feucht, drohen Schimmel und Milben. Die ideale Luftfeuchtigkeit liegt dazwischen, in einem Bereich, in dem beides selten wird.

Dieser Artikel erklärt, welche Luftfeuchtigkeit in Innenräumen empfohlen wird, was zu trockene und zu feuchte Luft bedeuten, und wie die Feuchte mit Temperatur und Behaglichkeit zusammenhängt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Empfohlen wird eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent (Umweltbundesamt), der Nationale Anhang der DIN EN 16798-1 nennt bis zu 65 Prozent.
  • Zu feucht (dauerhaft über 60 Prozent) begünstigt Schimmel an kalten Flächen und Hausstaubmilben.
  • Zu trocken (unter 40 Prozent, oft in der Heizperiode) kann Schleimhäute und Augen reizen.
  • Für die Behaglichkeit zählt die Feuchte weniger als Temperatur und Strahlung, erst bei Hitze wird sie zum entscheidenden Faktor.

Der empfohlene Bereich: 40 bis 60 Prozent

Das Umweltbundesamt empfiehlt, die relative Luftfeuchtigkeit in der Raumluft zwischen 40 und 60 Prozent zu halten. Der deutsche Nationale Anhang der Raumklima-Norm DIN EN 16798-1 nennt einen etwas weiteren Bereich von 40 bis 65 Prozent. Die Kategorie I der Basisnorm selbst liegt mit 30 bis 50 Prozent enger.

Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zu ihrem Maximum enthält. Weil warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann, schwankt sie mit der Temperatur, im Winter bei trockener Heizungsluft eher niedrig, im schwülen Sommer eher hoch.

Skala der relativen Luftfeuchtigkeit: unter 40 Prozent zu trocken, 40 bis 60 Prozent empfohlen, über 60 Prozent zu feucht mit Schimmelrisiko
Der empfohlene Bereich der relativen Luftfeuchtigkeit und was außerhalb passiert. Nach Umweltbundesamt (40 bis 60 Prozent) und DIN EN 16798-1 (Nationaler Anhang).

Zu hohe Luftfeuchtigkeit: Schimmel und Milben

Bleibt die Raumluft dauerhaft über 60 Prozent, steigt das Risiko für Schimmel. Er entsteht nach Angaben des Umweltbundesamts, wenn warme, feuchte Luft auf kältere Oberflächen trifft und dort Kondenswasser bildet. Typische Stellen sind schlecht gedämmte Außenwände, Raumecken und Flächen hinter massiven Möbeln.

Neben Schimmel begünstigt hohe Feuchte auch Hausstaubmilben. Das beste Gegenmittel ist richtiges Lüften: kurz und kräftig statt dauergekippt, und Feuchtequellen wie Kochen, Duschen oder Wäschetrocknen gezielt ablüften.

Zu niedrige Luftfeuchtigkeit

Im Winter fällt die relative Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen häufig unter 40 Prozent. Sehr trockene Luft kann Schleimhäute und Augen reizen und wird oft als unangenehm empfunden.

Wie streng man das nehmen muss, ist fachlich aber nicht eindeutig. Für Innenraumarbeitsplätze kommen DGUV und BAuA (2020) zu dem Schluss, dass sich aus dem heutigen Wissensstand kein allgemeiner Mindestwert für die Raumluftfeuchte ableiten lässt. Die 40 bis 60 Prozent sind also ein sinnvoller Zielkorridor für Wohlbefinden und Bautenschutz, keine harte medizinische Grenze.

Feuchte, Temperatur und Behaglichkeit

Für das Temperaturempfinden im behaglichen Bereich ist die Luftfeuchtigkeit weniger wichtig, als viele denken. Nach DIN EN ISO 7730 zählen vor allem die Lufttemperatur, die Strahlungstemperatur der Flächen und die Luftbewegung, die Feuchte hat bei komfortnahen Temperaturen einen vergleichsweise kleinen Einfluss.

Wichtig wird sie bei Hitze: Dann behindert feuchte Luft die Schweißverdunstung, und dieselbe Temperatur fühlt sich deutlich belastender an. Das ist der Effekt der Schwüle.

Für die Kühlung hat das eine praktische Folge. Eine mechanische Luftkühlung senkt die Temperatur oft, indem sie die Luft stark abkühlt und dabei trocknet, was schnell unter die 40 Prozent drückt. Die Kühlung über Wärmestrahlung senkt dagegen die Temperatur über kühle Flächen und lässt die Luftfeuchtigkeit unverändert. Sie trocknet die Raumluft nicht.

Fazit

40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind ein guter Zielkorridor für ein gesundes Raumklima: trocken genug gegen Schimmel, feucht genug gegen gereizte Schleimhäute. Für die Behaglichkeit zählt die Temperatur mehr, aber wer die Feuchte im Blick behält, vermeidet die Extreme an beiden Enden.

Grundlagen und Quellen: Empfehlung relative Luftfeuchtigkeit und Schimmelmechanismus nach Umweltbundesamt; Behaglichkeitsbereiche nach DIN EN 16798-1 (Nationaler Anhang); Einordnung trockener Luft am Arbeitsplatz nach DGUV und BAuA (2020); Einflussgrößen der thermischen Behaglichkeit nach DIN EN ISO 7730. Maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.